Sparsamer Kraftprotz vom SeeDie Weber Automotive GmbH (Markdorf) hat ehrgeizige Ziele. Bis zum Jahr 2009 will das Unternehmen den Umsatz gegenüber dem Jahr 2006 verdoppeln. Die in Markdorf produzierten umweltfreundlichen Motoren und die leichten Auto-Karosserieteile aus Kunststoff sollen dem wachsenden Bedarf nach energiesparender Technik im Automobilbau entgegenkommenAuszug aus dem Bericht von Herr Peter Ludäscher, Wirtschaftsredakteur Südkurier
Frankfurt/Markdorf - "Die Zahl der Mitarbeiter wird von heute 600 mit Sicherheit auf 800 steigen", sagt Unternehmenschef Albert Weber auf der Internationalen Automobilausstellung IAA in Frankfurt. Grund für die Zuversicht: Weber baut extrem leichte und sparsame Motoren - auch in Hybrid-Technik - sowie Karosserieteile aus Kunststoff. Beide Produktfamilien werden nach Ansicht des Unternehmers einen Nachfrageschub erleben, weil die Fahrzeughersteller unter dem Druck stehen, ihre Autos leichter und spritsparender zu machen. "Die CO2-Diskussion kommt uns voll entgegen. Die Fahrzeughersteller werden gezwungen, in neue Technologien zu gehen - und wir haben sie", freut sich Weber.
Das Markdorfer Unternehmen erzielt heute noch fast drei Viertel des Umsatzes mit eher konventioneller Technik: Der Bearbeitung von Motorenkomponenten für namhafte Automobilhersteller. Dabei hat sich Weber auf die anspruchsvollsten Motorteile konzentriert: Kurbelwelle, Pleuel, Zylinderkopf und Motorblock. Demnächst werde Weber den Abschluss des größten Auftrages in der Firmengeschichte bekannt geben, sagte Weber im Gespräch mit dieser Zeitung. Dabei geht es um die Bearbeitung von Motorenteilen für Nutzfahrzeuge.
Der Anteil des Geschäfts mit den eigenen, sparsamen Motoren soll von einem Viertel auf ein Drittel steigen, wenn im Jahr 2009 der neue Vierzylinder-Motor in Serie geht - zunächst für die Anwendung in Nischenfahrzeugen wie Sportwagen, aber auch in Freizeit-Anwendungen wie Booten oder Schneemobilen. Das extrem kompakte Aggregat soll bei einem Hubraum von 1,6 bis 2,2 Liter eine Leistung von 110 bis 147 kW erreichen. Mit Turbolader soll die Leistung auf bis zu 220 kW steigen. "In der Hybrid-Variante kann dieser Motor sogar Achtzylinder-Motoren ersetzen - bei viel niedrigerem Gewicht und geringerem Treibstoffverbrauch", sagt Weber. "Und beim Sound kann er auch mithalten", freut sich Weber.
"Wir haben schon vor zehn Jahren begonnen, Motoren kompakt und energiesparend zu bauen. Aber erst jetzt begreift die Industrie die Bedeutung dieser Technik." (Unternehmer Albert Weber)
Der Vierzylinder wird viele Teile des bereits in Serie gebauten Zweizylinders enthalten. Dieser kleine Bruder zeichnet sich durch einen niedrigen CO2-Ausstoß von lediglich 60 bis 70 Gramm aus. Als Hybridmotor, wie ihn Weber auf der IAA zeigt, liegt der Ausstoß sogar bei unter 48 Gramm. Weber hat den Hybrid-Antrieb gemeinsam mit dem französischen Dassault-Konzern entwickelt, wobei der Verbrennungsteil aus Markdorf stammt. Die französische Post wird demnächst eine kleine Flotte von Fahrzeugen mit diesem Hybrid-Antrieb testen.
"Wir haben schon vor zehn Jahren begonnen, Motoren kompakt und energiesparend zu bauen. Aber erst jetzt begreift die Industrie die Bedeutung dieser Technik", so Weber. Sein Unternehmen habe auch schon vor zehn Jahren mit der Entwicklung von Verfahren zur Herstellung von Karosserieteilen in Faserverbundtechnik begonnen. Inzwischen sei das Verfahren ausgereift. "Zum Beispiel die Rücksitzlehne für den Audi Avant, sie ist 45 Prozent leichter als die frühere Stahl-Variante", berichtet Weber. Auch die Heckklappe des Smart stammt aus Markdorf. Das Bauteil aus thermoplastischem Kunststoff und Glasfasern verfügt über eine um 25 Prozent höhere Crash-Festigkeit als ein Stahl-Teil und kostet 10 Prozent weniger. Albert Weber ist überzeugt, dass die Faserverbundstoffe eines Tages den Stahl im Fahrzeug-Karosseriebau ablösen werden. "Mein Ziel ist es, eine komplette Fahrgastzelle aus dem Verbundmaterial zu bauen, ähnlich wie die heutigen Monocoques von Rennwagen oder Hochleistungs-Sportwagen."
Das Markdorfer Unternehmen bereitet sich auf einen großen Schritt in die Zukunft vor. Die Investitionen in Wachstum und neue Produkte gehen in Richtung eines hohen zweistelligen Millionenbetrags, so Albert Weber. Dies belastet das Ergebnis. Doch für 2009 erwarten Weber und sein Sohn und stellvertretender Unternehmenschef Christian den Lohn für die großen Anstrengungen. "Als Familienunternehmen müssen wir nicht in Quartalen denken, sondern können es uns erlauben, große Projekte auf Sicht von fünf Jahren anzupacken." Doch schon jetzt benötigt das Unternehmen weitere Ingenieure und Facharbeiter. Der Personalchef reist daher mit zur IAA in Frankfurt. Interessierte Fachleute sollen gleich auf der Messe angesprochen werden.
Albert Weber (Geschäftsführungsvorsitzender) mit Sohn Daniel Weber (Vize Präsident) vor einem Zweizylinder-Hybridmotor der Weber Automotive. Der V4 Motor geht 2009 in Serie. |

