Auto "fliegt" mit Weber über den SeeTausende säumten die Uferstraße, als sich auf dem See am Samstag ein Spektakel der besonderen Art abspielte. Der Schweizer Frank M. Rinderknecht stellte sich mit seinem Amphibienfahrzeug erstmals auf einem deutschen Gewässer der Konkurrenz. Der Motor kommt von Weber aus Markdorf.Der Bodensee hat schon viel gesehen. Ein schwimmendes Auto noch nicht. Das Konzeptfahrzeug „Splash“ der Schweizer Kreativschmiede „Rinspeed Design“ verbirgt unter der ultraleichten Carbon-Haut weit mehr als einen wendigen Sportwagen. Denn auf Knopfdruck verwandelt eine ausgeklügelte, hydraulisch gesteuerte Mechanik den Flitzer in ein Amphibienfahrzeug. Durch ein Tragflügelsystem lässt Rinspeed das Auto sogar knapp 60 Zentimeter über der Wasseroberfläche „fliegen“.
Auch wenn am Samstagnachmittag die Wasseroberfläche zu unruhig für das 140 PS starke Schwimmauto war, als dass es hätte gewinnen können, die Attraktion war es allemal. Seine fast magische Verwandlung vom Straßenfahrzeug in einen schwimmenden und „fliegenden“ Alleskönner macht ein elektronisch gesteuertes Hydrauliksystem mit komplexer Sensorik möglich. Dabei schwenkt als erstes der unscheinbare Heckabschlussdeckel nach oben. Er gibt den Blick auf den zur Seite liegenden Z-Antrieb aus dem Schiffsbau frei, der von Weber Automotive kommt. Die Markdorfer arbeiten schon viele Jahre mit den Schweizern erfolgreich zusammen. Wobei allen Beteiligten klar ist, dass es keine Serienfertigung geben wird. Rinderknecht will vielmehr darstellen, was möglich ist.
Die Antriebseinheit des Fahrzeugs – bestückt mit einem traditionellen dreiflügeligen Propeller – kann vom Cockpit aus stufenlos nach unten geschwenkt werden. Damit ist sofort nach dem Einwassern Vortrieb gegeben. Ein speziell konstruiertes Zwischengetriebe leitet den Kraftfluss je nach Wunsch und Bedürfnissen des Piloten an die Hinterräder, an den Propeller oder an beide zusammen. Mit zunehmender Wassertiefe kann der Antrieb weiter nach unten geschwenkt werden. Ab einer Wassertiefe von etwa 1,10 Meter erreicht der Propeller seine „stehende“ Position. Richtungsänderungen werden über das Lenkrad ein- und auf den Schiffsantrieb weitergeleitet.
Auto „fliegt“ schon ab 30 km/h
Ab einer Wassertiefe von etwa 1,30 Meter lässt sich ein hochkomplexes Flügelsystem aus der schlanken Karosserie entfalten. Hinten schwenkt sich der Formel-1-artige Heckflügel um 180 Grad nach unten. Links und rechts des hochgeschlossenen Cockpits drehen sich zwei in die Seitenwand integrierte Flügel um 90 Grad in die Tiefe und entfalten sich zu ihrer tragenden V-Form. Die Anstellwinkel aller Flügel können vom Piloten einzeln getrimmt und den verschiedenen Fahrzuständen angepasst werden. Schon bei sehr geringer Geschwindigkeit beginnt sich der Fahrzeugrumpf aus dem Wasser zu heben. Bereits ab 30 km/h kann der „fliegende“ Zustand erreicht werden. Dann gleitet das außergewöhnliche Automobil in fast 60 Zentimeter Höhe als Tragflügelfahrzeug über die Wasseroberfläche. Hoch genug, um sicherzustellen, dass keines der vier Räder Kontakt mit dem Wasser hat. Bei glatter Wasseroberfläche erreicht der „Splash“ eine Höchstgeschwindigkeit von 80 km/h (etwa 45 Knoten). Als herkömmliches Amphibienfahrzeug betrieben, bringt er es auf eine Höchstgeschwindigkeit von fast 50 km/h.
Mit seinem Splash hat Rinderknecht im vergangenen Jahr den Ärmelkanal durchfahren und dabei einen Weltrekord aufgestellt.
Der Schweizer Frank M. Rinderknecht mit seinem Tragflügel-Schwimmauto am Samstag vor Friedrichshafen. Der Z-Antriebs-Motor (Weber MPE 750) stammt von der Markorfer Weber Automotive.
Foto: Siegfried Großkopf |

